<<< zurück

TUM Sandäcker Quartier

Das IDP Interdisziplinäre Projekt 2021

Gastbeitrag | 12. November 2021


Studierende des Masterstudiengangs Architektur der TU München entwickelten im IDP Projekt 2021 die ganzheitliche Neukonzeption des Sandäcker Quartiers in Nürnberg. Das Forum für Entwerfen unterstützte sie in der Einbeziehung soziokultureller Bedürfnisse zukünftiger Bewohnenden der Areale …



Grundlage des Projekts ist das Sandäcker Quartier in Nürnberg Gebersdorf. Die WBG Nürnberg Beteiligungs GmbH entwickelt hier ein neues Quartier und unterstützte das IDP mit realen stadtplanerischen Unterlagen und fachlichem Feedback zu den Etappen des Projekts aus der Warte des Bauherrn.

Das gesamte Quartier wurde in 6 Areale aufgeteilt, für die jeweils ein Studierenden-Team zuständig war. Zu jedem Areal entwickelten sie Lösungskonzepte zu:
_ Brandschutz + Schallschutz
_ Gebäude
_ Grün + Blau
_ Klima
_ ???

Es war kein architektonischer Masterplan vorgeben. Jede Areal-Gruppe hatte den Freiraum, ihren Bezirk für individuelle experimentelle Ansätze zu nutzen.
Die Studierenden tauschten Überlegungen und Einschätzungen miteinander aus und inspirierten sich wechselseitig.

Als Visionshorizont war 2050 definiert. Die heutige Konzeptentwicklung soll in etwa 30 Jahren den Höhepunkt ihres Lebenszyklus und ihrer Geltung erreichen.

Die Studierenden verpflichteten sich den Maximen der Nachhaltigkeit. Die vorliegende Kommentierung beleuchtet die soziokulturellen Fixpunkte der Gruppenergebnisse der sechs Areale, die zusammen ein Impuls-Modell für Soziale Nachhaltigkeit in Architektur und Sozialer Nachhaltigkeit bilden.

Im schöpferischen Entwicklungsprozess der Studierenden ist tatsächlich ein Impuls-Modell entstanden. Die Vielfalt und Dichte an soziokulturellen Schlüsselszenen ist immens. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mit diesem Systemansatz ein kraftvolles, gesundes, soziokulturelles Biotop entstehen würde.

Dass die Ökonomische Nachhaltigkeit etwas vernachlässigt wurde, liegt in der Natur eines Impuls-Modells. Hier wird eine Vielfalt an soziokulturellen Impulskonzepten aufgefächert, die die unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Bedürfnisse adressiert.

Dass ein bestimmter Aspekt, wie hier das sozialpsychologische Wirkungspotenzial des Städtebaus und der Architektur, so viel Raum einnimmt, wird es im kommerziellen Wohnungsbau nur selten geben.

Was als Ganzes nicht übertragbar sein mag, kann in reduzierter Form wertvoll sein. Alle erhalten hier durch das IDP wichtige Inspirationen, die sie in Teilen in ihre Vorhaben übertragen können, auch wenn die Setzung der Prioritäten anders ist als in diesem Fall.

Für Kommunen stellt sich eine andere Frage: Wie viele soziokulturell orientierte Quartier-Modelle braucht unsere Stadt, um die Maßstäbe für Soziale Nachhaltigkeit für Städtebau und Architektur in der Region weiterzuentwickeln? Wie sollten sie gestaltet sein, wie sie die erforderliche Impulskraft entfalten?


1. Hinführung


Es ist eine analoge Einführung, durch die Bewohnende und Besuchende zum Sandäcker Revier im Westen gelangen. Ein Steg erhebt sich sanft und trägt behutsam über Pflanzen und kleine Gewässer (was gedeiht hier?).
Man ist dem Wachsenden nahe; es wird aber nicht berührt. Man spürt eine Botschaft, die Menschen heute bewegt. Schonung der Natur. Erwachende Sensibilität, Betroffenheit über ökologisches Versagen. Nun: Abwendung von der Maßlosigkeit des Homo Sapiens Sapiens im sprichwörtlichen Anthropozän.
Zugleich erleben sich die schreitenden Menschen schwebend über der Natur, sie sind auf Abstand gehalten – kein Teil von ihr. Ein wenig vergeistigt, entwurzelt?

Mensch im inneren Dialog mit sich selbst. Nichts lenkt diese Empfindungen absichtsvoll ins Bewusstsein: Sie entstehen, beiläufig, wie die Wahrnehmung der Natur, durch die man sich täglich bewegt.
Die Eindrücke sickern ein in das Bild, das man sich von der soziokulturellen Identität des
Sandäcker Quartiers macht. Sie sind eine Einstimmung auf die Gemeinschaft und den Ort, dem man sich nähert.


2. Überbrückung

Der Steg geht über in eine Brücke, die über den Betriebshof mit dem Bahnhof für S- und U-Bahn führt.
Die Gestaltung der Brücke signalisiert menschliches Maß, ihre Neigungswinkel überfordern auch Personen nicht, denen Gehen nicht leicht fällt. Die Dimensionierung bedrängt Betrachtende nicht und ist frei von städtebaulicher Pose. Die Breite lässt Nähe zwischen Menschen zu, lässt aber Raum für Abstand entsprechend individuellen Bedürfnissen.


3. Marktplatz und Dorfplatz

Der Marktplatz im Areal 1 bildet den Hauptzugang zum Sandäcker Quartier. Von hier aus tauchen Bewohnende und Personen, die auf Besuch kommen, ein in die Verzweigungen, die in die anderen Areale führen.
Der Marktplatz ist die lebhafte Schnittstelle von Außen und Innen. Landwirte, Gärtner und Händler aus anderen Regionen bieten ihre frischen Waren feil. Bewohnende des Sandäcker Quartiers und Besucher des Markts aus benachbarten Quartieren begegnen sich, kommen kurzfristig zusammen, tauschen sich aus. Wenn kein Wochenmarkt ist, ist die Bühne frei für johlende Jugendliche. Ein Hauch von urbanem Leben.

Zum extrovertierten Marktplatz bildet der Dorfplatz in Areal 4 ein stilles, introvertiertes Pendant. Er liegt eher abgeschieden, ist von schattenspendenden Galerien gesäumt, bietet im grünen Innenhof die Ruhe, die Menschen suchen, um sich zu erholen oder sich einander zu widmen: junge Menschen, die sich behutsam einander annähern, Mütter mit kleinen Kindern. Nachbarn, die sich mögen. Langjährige Freund:innen. Ältere Menschen, die sich auf ihre innere Mitte einstimmen. Ein Ort der hilft, Fremdheit zu überwinden.


4. Natur. Innenleben. Gemeinschaftlichkeit

Die Wege durch das Quartier sind von Natur und Wasser gesäumt. Auch an Fassaden und auf Dächern ist die Flora zuhause. Tatsächlich scheint die Natur hier Heimatrechte zu genießen. Sie dehnt sich aus; nirgends wird so eingegriffen, dass menschlicher Kontrollkult in Szene gesetzt würde; keine scharfen Schnitte, die sie in strenge Grün-Figuren zwingen würde. Die Natur bleibt natürlich, sie zeigt sich heitere Urkraft, sie sprießt, blüht und gedeiht. Bisweilen scheint der Bewuchs fast übergriffig, die Natur will Urwald werden; aber sie hält doch die Grenzen ein.

Natur stärkt die psychische Stabilität. Sie fördert seelische Ausgeglichenheit und die physiologische Gesundung. Eine natürliche Umgebung senkt die Stressanfälligkeit und erhöht die soziale Belastbarkeit. Eingestimmt durch die Natur. Im Einklang mit anderen Menschen.


5. Wohnen. In vielfältiger Form

Das ökologische Quartier-Konzept ist ein ideelles Leitmotiv, das die Bewohnenden geistig miteinander mit verbindenden wird. Von Areal zu Areal weichen die Lösungsansätze, der experimentellen Vielfalt entsprechend, voneinander ab. In Areal ??? wird die Auswahl der Baustoffe in eine Formulierung gefasst: „Alle Dinge, die schon da sind plus Holz, Stroh und Lehm”, deren Werteaussage gut merkbar ist und sich leicht anderen Menschen vermitteln lässt. Das Wohnen wird in Zusammenhang mit Zukunftsverantwortung erlebt.
Viele der Personen, die sich hier niederlassen, werden jünger sein und in ihren biografischen Lebensabschnitten den Wandel ihrer Anforderungen an ihre Wohnung durchleben. Wer in der Gemeinschaft hier seelische Wurzeln schlägt, wird nicht gerne umziehen. Das flexible Wohnungskonzept in Areal 5, Flex Living genannt, erlaubt die Umgestaltung von einer Single-Wohnung zu einer Wohnung für ein Paar, sie kann sich der Familiengründung und die Erweiterung um Kinder anpassen. Irgendwann verlassen die Kinder die Familie; der Zuschnitt der Wohnung kann der Familienverkleinerung angepasst werden.

Für Personen, die neue Lebensformen nutzen möchten, ist im Areal 6 das Clusterwohnen eingerichtet. Mehrere kleinere Wohneinheiten sind durch einen großen gemeinschaftlichen Bereich verbunden, der aus einem Gemeinschaftswohnraum und kollektiven Funktionszonen für Kochen, Wäschewaschen u.a.m. besteht. Die Einzelwohnungen der großen Wohneinheit sind in verschiedenen Größen verfügbar; Personen, für die es wichtiger ist, sich zurückzuziehen, wird entsprechend großzügigerer Raum geboten. Andere werden sich öfter in den geselligen Zonen aufhalten. Die Balance zwischen Zusammensein und Rückzug können alle ihren individuellen Neigungen entsprechend gestalten.

Im zweiten Trakt des Komplexes sind weitläufige Zonen und Räume für gemeinschaftliche Anliegen und Vorhaben eingerichtet. Im Erdgeschoss ist eine großzügige Lounge mit Café, die die Begegnung von Bewohnenden des Areals und Gästen ermöglicht. Ein Veranstaltungssaal ist vorhanden, für Feste der Gemeinschaft und private Feiern.

Im Bereich zwischen dem Gemeinschaftssektor und dem Clusterwohnen ist ein verbindender Bau – das Atrium –, der den Zugang in den Komplex bildet.

Er besteht aus einem Foyer, das offen und weit wirkt. Das Foyer akzentuiert das Gebäude als Haus, das in gewisser Weise großherzig wirkt, Raum gibt und auch Fremde willkommen heißt. Von hier aus leiten die Treppen in die höheren Etagen des Komplexes. 


6. Himmelsstürmer


Dass heitere Ausgelassenheit hier Kindern und Erwachsenen gleichermaßen zu eigen ist, deutet die Rutsche in Areal 2 an. Sie schwingt sich herab, parallel zur Treppe im hügeligen Gelände, und ist so breit, dass offensichtlich nicht nur die Kleinen angesprochen sind. Wer nach Hause kommt und das Stufensteigen dicke hat, lässt sich hinuntergleiten. Andere schauen zu, und vergnügen sich an der Unbeschwertheit.

Zwischen Wohnbauten des Areal 5 ist eine große Plexiglaswand gespannt. In ihrer Standardfunktion schützte sie das Areal vor Lärm von der vorbeiführenden Verkehrstraße.

Zum Blickfang wird das Szenario, wenn Leben aufkommt: Die transparente Fläche ist eine Kletterwand, auf der sich Kraxler in die Höhe hangeln.

Der Ort bietet Spektakel. Menschen werden zum Zuschauen hier sein, manche, die den Aufstieg später selbst wagen wollen, andere, die nur Staunen und denen beim Gedanken, selbst zu klettern, schaudert. Worte zu wechseln fällt leicht, auch unter Fremden; das Geschehen bietet Stoff für spontane Wortwechsel.

Vor dem glasklaren Hintergrund erscheinen die Kletternden wie jugendliche Himmelsstürmer, die in das Nichts aufsteigen und der Bodenlosigkeit trotzen. Das ist auch von der Straße außerhalb des Quartiers zu sehen ist: Das Quartier hat ein Kennzeichen mit „Fernwirkung“.

Die Szene kann ein soziokulturelles Wahrzeichen werden. Im Quartier sind (auch) Menschen zuhause, die sich in Wagemut üben und nicht darauf bedacht sind, ihr Leben umgehend in trockene Tücher zu bekommen. Man will sich erproben, unter widrigen Bedingungen behaupten, die Welt aus anderer Warte sehen.

Zugleich leben Personen hier, die dem nicht entsprechen. ??? Heime für Senioren und Betreutes Wohnen zählt das Quartier. Der Ort führt alle zusammen.


7. Statement gegen Konformitätserwartung

Die Wohnungen in Areal 5, die in den Gebäuden untergebracht sind, spiegeln in der Fassade eine harmonische Ordnung, aber: So ungleichmäßig wie sie aus dem Bau in den Luftraum ragen und die Ebenmäßigkeit der Fassade durchbrechen, sprengen sie die gewohnte Betonung geometrisch straffer Organisation: Die Formation bildet eine visuelle Analogie zu einer Gruppe von Menschen, die ungezwungen beieinander stehen. Sie gleicht nicht einer Kompanie in Reih‘ und Glied.

Man empfindet eine lebendige Unruhe. Hier blitzt Widerspruch gegen jenen Konformitätskult auf, den strikt ebenmäßig gerasterte Außenflächen von Wohngebäuden vermitteln.

Es entsteht, kaum bewusst, die Erwartung, mit seinen individuellen Eigentümlichkeiten
akzeptiert und von der Gruppe angenommen zu werden.
Wer von grundsätzliche Toleranz erlebt, erhöht (meistens) seine Bereitschaft, selbst toleranter und offen für Andere, auch für Fremde zu sein.

Es geht um Leben, gemeinsames Leben. Nicht um unbedingte Funktionalität, und nicht um reglementiertes Dasein. Die unruhige Fläche ist eine Investition in Soziale Nachhaltigkeit.

Dass diese Fassade eine Ausnahme im Quartier ist, tut ihrer Wirksamkeit keinen Abbruch; impulsive Symbole müssen nicht in Serie aufgestellt werden.

Auch der Widerspruch zwischen verschiedenen Fassadenkonzepten im Quartier schadet nicht: Diversität ist eine Qualität, gerade wenn es um die Vermittlung von Offenheit und Toleranz geht.


8. Parkhäuser – ein soziokulturelles Signal

Die Parkhäuser sind im Grenzbereich des Quartiers platziert.
Individualverkehr prägt, deformiert manchmal sogar das städtische Leben – heute.
Auch 2050, zu jener Zeit, in der sich das Quartierkonzept bewähren soll?

Im Areal 3 des Sandäcker Quartiers wird tote Parkierungsfläche sukzessive in Lebensraum transformiert.
Der Prozess wird weithin sichtbar sein. Jede Etage, die von Parkzone in Wohnungen überführt wird, formuliert in der Fassade, wie Leben hier zunehmend Vorrang erhält.

Die Veränderung der architektonischen Physiognomie setzt ein Signal der Entwicklung der Urbanität und des Mobilitätskonzepts, das im Quartiers favorisiert wird. Kostbares Blech weicht. Menschen beleben den Raum.

Hier werden sich bevorzugt jene Menschen niederlassen, die diese (Leit-) Idee mittragen. Ideen, die Haltungen repräsentieren, verbinden. Sie bilden geistige Brücken zwischen Einzelpersonen. Sie ermöglichen intensive Gemeinschaftserlebnisse, initiieren Solidarität und stärken die soziale Identität der Gruppe.
Die soziale Wirksamkeit von Leitideen ist um so größer, je markanter die Idee ethisch besetzt ist. Mobilität ist, bedingt durch die Klima-Krise, ethisch und emotional intensiv aufgeladen.

Aus einem profanen Zweckbau entsteht, fortschreitend, ein soziokultureller Impulsgeber des Sandäcker Quartiers. Parkhäuser werden ein Zeichen für gesellschaftlichen Umbau, für Soziale Nachhaltigkeit und für die gemeinschaftliche Identität des Quartiers.


9. Der soziokulturelle Fixpunkt des Quartiers

In der primären Eingangszone des Sandäcker Quartiers, im Areal 1, wo Bewohnende und Gäste das Areal auch wieder verlassen, ist ein markantes Gebäude platziert, das für die
Soziokultur des Quartiers eine zentrale Bedeutung hat.

Ein Café ist in dem Gebäude untergebracht, das auch Besucher der Wochenmärkte nach
vollzogenem Einkauf zum Ausspannen im Kreis von Mitbewohnenden genießen werden.
Auf dem Dach ist eine Bar, die ein Treffpunkt nach der Tagesarbeit sein wird.

Der Supermarkt bietet die Versorgung mit Gütern des Alltagsbedarfs: Die regelmäßigen Einkäufe zur Grundversorgung führen zum soziokulturellen Zentrum des Quartiers.
Auch der Kindergarten, die Kita und die Hausaufgabenbetreuung sind ebenso Einrichtungen zu persönlichen Interessen und Aktivitäten, wie Fitness-Training und Fortbildung – beispielsweise zu Sprachen, Malen und NaturLearning.

Aktuelle Informationen und Impulse vielfältigster Art zum gemeinschaftlichen Geschehen im Quartier liegen quasi auf dem Weg. Man begegnet sich, erzählt einander von sich und anderen, tauscht sich aus was gut gelingt im Quartier und wo man Veränderungsbedarf sieht.

Zum soziokulturellen Zentrum wird das Gebäude vor allem durch die Quartier-Loge, die vielerlei Dienste für die Gemeinschaft beherbergt. Hier werden Dank für gelungene gemeinschaftsrelevante Leistungen vermittelt, Wünsche geäußert, Kritik platziert und die Bereitschaft zu persönlicher Mitwirkung an gemeinschaftlichen Maßnahmen mitgeteilt.

In der Loge plant die Quartiergemeinschaft Projekte, die man gemeinsam angehen will,
tastet die Entwicklungsperspektiven des Quartiers ab und klärt miteinander den Weg zur
Lösung größerer Herausforderungen.

Im Miteinander werden immer wieder Spannungen auftreten. Für zugespitzte Konflikte wird das Team der Quartier-Loge Mediation zwischen den Konfliktparteien vermitteln.

In den meisten Fällen wird die Quartier-Moderation Reibungen vermeiden helfen oder sie frühzeitig auflösen. Die Quartier-Moderation gibt Impulse zum konstruktiven Miteinander und bestärkt alle Mitwirkenden, Konflikte nicht eskalieren zu lassen. Sie tritt in Einzelfällen in Aktion, verfolgt aber primär das Ziel, die sozialen Fähigkeiten der Bewohnenden unaufdringlich zu trainieren. Kooperationsfreude und Konfliktfähigkeit sollten Teil der gelebten Soziokultur des Sandäcker Areals werden.


10. Den Wandel gut gestützt durchleben

Ein Gradmesser der Qualität des Sandäcker Quartiers bezüglich Sozialer Nachhaltigkeit wird sein, wie gut die Bewohnenden den zivilisatorischen Wandel, der sich gerade beschleunigt, durchleben werden. Die Klima-Krise ist ein Faktor. Die Pandemie-Gefahr ein weiterer.

Und die technologische Revolution kann ein tückischer Prozessbeschleuniger werden.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass viele Leistungen und Arbeitsplätze – auch solche von exzellent ausgebildeten und gut bezahlten Personen – in großer Zahl von intelligenten Systemen übernommen werden.

Es kann auch Bewohnende des Sandäcker Quartiers treffen. Werden sie über einen sozialen Bezugsrahmen verfügen, der sie stützt und ihnen über die Erschütterung, den Beruf als ihre bisher vielleicht zentrale Lebensperspektive zu verlieren, hinweghilft? Werden sie sich in einem alternativen Rahmen erleben, der ihnen Möglichkeiten und stetige Impulse für Engagement mit Sinnerfüllung bietet?

R. Habich